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Kooperation statt Konfrontation

/ Allianzverträge in der Baubranche

Ingenieure & Architekten

10.09.2025
Allianzverträge Baubranche

Die Komplexität moderner Bauprojekte stellt alle Beteiligten – Bauherr, Planer und ausführende Unternehmen – vor grosse Herausforderungen. In diesem Kontext gewinnt der sogenannte Allianzvertrag zunehmend an Bedeutung. Dieses Vertragsmodell verspricht, nicht nur Risiken gemeinschaftlich zu tragen, sondern auch das Miteinander aller Beteiligten am Bau neu zu gestalten.

WAS IST EIN ALLIANZVERTRAG – UND WER IST BETEILIGT?

Ein Allianzvertrag ist ein innovatives Vertragsmodell in der Bauwirtschaft, das sich durch eine enge, partnerschaftliche Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten auszeichnet – Bauherr, Planer und ausführende Unternehmen. Anders als bei klassischen Werkverträgen, treten die Parteien nicht mit isolierten individuellen Interessen auf, um ihre Arbeitsleistung zu erbringen. Sie agieren stattdessen im Rahmen einer gemeinsamen Projektorganisation, und jeder bringt seine Expertise bereits von Beginn an ein.

GEMEINSAM GEWINNEN ODER GEMEINSAM VERLIEREN

Ein zentraler Vorteil des Allianzvertrags ist das sogenannte „No Blame“-Prinzip. Das bedeutet, dass es keine Schuldzuweisungen im Falle von Fehlern oder Problemen gibt, wie es sonst oft üblich ist. In vielen Fällen kommt es zu Projektunterbrechungen, bis die Schuldfrage geklärt ist. Greift jedoch das No-Blame-Prinzip, entfallen solche Verzögerungen, da alle Allianzpartner die Risiken gemeinsam tragen. Ob ein Schaden durch Planer, Unternehmer oder Bauherr verursacht wurde, spielt für die Risikoübernahme keine Rolle – es wird nicht nach einem Schuldigen gesucht, sondern nach einer Lösung.

HERAUSFORDERUNGEN: VERSICHERUNG, VERTRAUEN UND TRANSPARENZ

Trotz der Vorteile bringt die Allianzstruktur auch Herausforderungen mit sich:

  • Versicherungstechnisch stossen klassische Haftpflicht- und Sachversicherungen an ihre Grenzen, da sie auf individuelle Haftung ausgelegt sind. Spezielle Lösungen wie Projekt- oder Eigenschadenversicherungen werden nötig, um dem Prinzip der kollektiven Verantwortung gerecht zu werden.
  • Die enge Zusammenarbeit erfordert ein hohes Mass an Vertrauen und eine transparente Kommunikation. Fehlerkultur und einheitliche Informationsstrukturen sind entscheidend, insbesondere wenn mit integrativen Tools wie BIM1 gearbeitet wird.
  • Zudem kann das Prinzip der Gleichverteilung von Risiken zu unfairer Lastenverteilung führen, wenn beispielsweise ein Partner überdurchschnittlich von Schadenfolgen betroffen ist, die er nicht verursacht hat. Solche Situationen bedürfen klarer vertraglicher Regelungen und eines fein austarierten Vergütungsmodells.

Allianzverträge stellen eine zukunftsweisende Möglichkeit dar, komplexe Bauprojekte effizient, transparent und konfliktarm umzusetzen. Sie erfordern jedoch ein Umdenken – weg von Schuldfragen und Einzelinteressen, hin zu gemeinsamer Verantwortung und echtem Teamgeist.

Wer bereit ist, sich auf dieses Modell einzulassen, kann nicht nur Risiken minimieren, sondern auch neue Wege des partnerschaftlichen Bauens beschreiten. Sprechen Sie uns gerne an, wenn ein Allianzvertrag auch für Sie und Ihre Partner am Bau interessant sein könnte. Wir freuen uns auf ein erstes Gespräch und beraten Sie umfassend.

Im Vordergrund steht, dass Konflikte vermieden werden und der Projektablauf nicht unterbrochen werden muss. Der gemeinsame Erfolg des Projekts steht immer im Vordergrund. In der Konsequenz bedeutet das auch: Alle gewinnen oder alle verlieren, denn der wirtschaftliche Erfolg oder Misserfolg wird kollektiv getragen.

1 BIM = Building Information Modeling | Es bezeichnet eine digitale Arbeitsmethode im Bauwesen, bei der alle relevanten Bauwerksdaten in einem gemeinsamen, meist 3D-basierten Modell erfasst, kombiniert und vernetzt werden. Dadurch können Architekten, Ingenieure, Bauherren und andere Beteiligte effizienter zusammenarbeiten, Planungsfehler reduzieren und den gesamten Lebenszyklus eines Bauwerks besser steuern.

Allianzverträge Baubranche
Jeanine Mitschi
Kundenberaterin
ARTUS Unicon AG